KielkopfNeurologie
Glossar27 Begriffe

Brain Health A–Z

Ein wachsendes Glossar der wichtigsten Begriffe rund um Hirngesundheit, Schlaganfall und präventive Neurologie. Für Fachpublikum ebenso wie für Patientinnen, Patienten und Angehörige. Weitere Begriffe folgen laufend, Anregungen sind willkommen.

Schlaganfall

Ischämischer Hirninfarkt

Häufigste Schlaganfall-Form: eine Hirnarterie verschliesst sich, das dahinter liegende Hirngewebe wird nicht mehr versorgt. Zeit ist Hirn.

Hämorrhagischer Schlaganfall

Blutung im Gehirn, etwa 15 % aller Schlaganfälle. Ursachen sind Bluthochdruck, Gerinnungsstörungen oder Gefässanomalien.

TIA

Transitorische ischämische Attacke

Vorübergehende neurologische Ausfälle durch eine kurze Durchblutungsstörung. Ein Warnsignal, das immer abgeklärt gehört.

Lakunärer Infarkt

Kleiner Schlaganfall in tiefen Hirnregionen durch Verschluss kleiner Arterien. Oft unterschätzt, aber langfristig relevant.

Cancer-associated Stroke

Schlaganfälle bei Krebspatienten mit eigener Pathophysiologie. Fokus der Kooperation Bern – Weill Cornell Medicine (New York).

BAD

Branch Atheromatous Disease

Erkrankung kleiner Perforator-Arterien, häufige Ursache lakunärer Schlaganfälle. Fokus der internationalen Kooperationsforschung mit Wien.

Cerebral Small Vessel Disease

Erkrankung der kleinen Hirngefässe. Wichtige Ursache lakunärer Infarkte und kognitiver Verschlechterung im Alter.

Risiko & Prävention

Lipoprotein(a)

Lp(a)

Genetisch bestimmter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall. Sollte einmal im Leben gemessen werden.

LDL-Cholesterin

Das «schlechte» Cholesterin. Einer der wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren für Arteriosklerose und Schlaganfall.

Karotisstenose

Verengung der Halsschlagader durch Arteriosklerose. Wichtige Ursache und Warnsignal für Schlaganfall.

Karotisplaque-Vulnerabilität

Nicht die Enge einer Halsschlagader ist entscheidend, sondern wie instabil die Ablagerung ist. Kernthema der Studien VALCAST und LIP-CAP.

Sekundärprävention

Massnahmen nach einem ersten Ereignis, um ein zweites zu verhindern: Medikamente, Lebensstil, systematische Kontrollen.

Vorhofflimmern

Häufigste Herzrhythmusstörung mit deutlich erhöhtem Schlaganfallrisiko. Antikoagulation kann bis zu 70 % dieser Schlaganfälle verhindern.

Antikoagulation

Blutgerinnungshemmung durch Medikamente (DOAK, VKA). Wichtigste Prävention bei Vorhofflimmern.

D-Dimer

Blutmarker für Gerinnungsaktivität. Relevant in der Schlaganfall-Diagnostik, besonders bei krebsassoziierten Ereignissen.

Diagnostik & Therapie

Zerebrovaskuläre Sonographie

Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefässe. Nicht-invasiv, aussagekräftig, wichtig für Diagnostik und Verlauf.

Duplexsonographie

Kombination aus Bildgebung und Flussmessung. Zeigt Gefässverengungen und Flussstörungen in Echtzeit.

Thrombolyse

Auflösung des Blutgerinnsels beim akuten Schlaganfall durch Medikamente. Standardtherapie im 4,5-Stunden-Fenster.

Thrombektomie

Mechanische Entfernung eines Thrombus aus einer Hirnarterie. Standardtherapie beim grossen Gefässverschluss.

Perfusions-MRT

Magnetresonanz-Bildgebung der Hirndurchblutung. Zeigt nach einer TIA minderdurchblutete Areale, die ein Folgeereignis ankündigen können.

Gehirn & Gesundheit

Kognitive Reserve

Die Fähigkeit des Gehirns, altersbedingte Veränderungen zu kompensieren. Wird durch Bildung, Aktivität und soziale Kontakte aufgebaut.

Neuroplastizität

Die lebenslange Anpassungsfähigkeit des Gehirns. Basis für Rehabilitation, Lernen und mentale Fitness.

Brain Health

Gehirngesundheit über die ganze Lebensspanne: Prävention, kognitive Fitness, mentale Gesundheit und der Schutz vor Schlaganfall und Demenz als eine gemeinsame Aufgabe.

Bern Declaration on Brain Health

Internationale Deklaration (Lancet Neurology 2025) zur Gründung einer weltweiten Brain-Health-Allianz. Mitgetragen vom Inselspital-Team.

Skalen & Begriffe

NIHSS

National Institutes of Health Stroke Scale

Standardisierte Skala zur Beurteilung der Schwere eines Schlaganfalls (0 bis 42 Punkte).

Modified Rankin Scale

mRS

Funktionelle Verlaufsskala nach Schlaganfall (0 = keine Symptome, 6 = verstorben). Standard-Outcome in Studien.

Time is brain

Pro Minute unbehandelter Ischämie gehen rund 1,9 Millionen Nervenzellen verloren (Saver, Stroke 2006). Deshalb zählt beim Schlaganfall jede Minute: sofort 144 wählen.